E-Commerce ist unsexy!

Start-up Vibes, internationale Erfolge, virale Kampagnen - das ist nicht "E-Commerce". E-Commerce ist Strategie, Daten und Denkarbeit.

E-Commerce, das ist für viele Amazon, Zalando und Co. Erfolgreich, bunt, präsent und irgendwie verdammt attraktiv.

Das Problem an dieser Rezeption ist jedoch: Als Kunden sehen wir den E-Commerce gar nicht, sondern nur das, was am Ende vermarktet wird.

Bunte Bilder, coole Texte, noch coolere Leute und technische Spielereien, die unser inneres Kind wecken.

E-Commerce ist unsexyDer Podcast

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Der E-Commerce und die falsche Erwartungshaltung.

E-Commerce ist viel mehr als eben das, was wir sehen. Was wir als Kunden und Außenstehende sehen, ist die Fassade eines Hauses, das wir von der Straße aus sehen. Wie es innen aussieht, was für Räume es gibt oder gar die Installationen des Hauses, der Keller, wie das Fundament gebaut ist, das alles sehen wir nicht.

Genau hier hat der E-Commerce ein Problem und ich möchte euch hier zeigen, wie unsexy E-Commerce eigentlich ist. Denn die Erwartungshaltung an Ausbildungen und Fortbildungen ist oft etwas neben der Spur.

Dazu zunächst stellvertretend drei Begegnungen, die ich in den letzten Jahren als Dozentin und Prüferin in E-Commerce Weiter- und Fortbildungen und in Beratungen mit Unternehmen hatte.

„Wann kommt der Vortrag, in dem wir lernen wir, wie man skaliert?“

Wenn ich diesen Satz (oder ähnlich) höre, weiß ich immer: Da hat jemand eine Erwartungshaltung, die zwangsläufig enttäuscht wird. Ein Zertifikatskurs dauert 80 Stunden. 80 Stunden, in denen man strategisches und operatives Wissen in Häppchenform vorgesetzt bekommt. Kann man am Ende ein Konzept entwickeln, das „skalieren kann“? Durchaus. Ist „Skalieren“ ein eigenes Thema, das man lernen kann? Nein. Es gibt sie nicht, die universellen Hebel, die sich auf jedes Geschäftsmodell anwenden lassen. Was bei XYZ funktioniert, funktioniert nicht zwingend für ABC.

„Die Azubis kommen mit völlig falschen Vorstellungen zu uns“

Gemeint sind die E-Commerce Kaufleute bzw. eben die E-Com Azubis. Viele, so der Kollege, sind enttäuscht, wenn sie erfahren, dass sie in dieser Ausbildung gar nicht lernen, wie man einen Onlineshop baut (also wahlweise programmiert oder zusammenklickt). Aber nein – es ist eine kaufmännische Ausbildung. Man lernt grundlegend die Basics, die Bürokaufleute, Industriekaufleute, Groß- und Außenhandelskaufleute eben auch lernen: Kaufmännische Dinge. Wie Rechnungen geschrieben werden, wie Preise kalkuliert werden, wie Programme zu bedienen sind und und und… Das Ganze natürlich im Kontext zu einem Onlinehandel und Onlineshop. Aber dazu gehört eben nicht, wie man programmiert oder mit einem x-beliebigen Programm selbst einen Shop aufsetzt. Was man lernt, sind kleine Anpassungen vorzunehmen und den richtigen Dienstleister für solche Aufgaben zu finden.

„Das E-Commerce Zertifikat der IHK taugt nichts!

Die E-Commerce Manager (IHK) können nicht mal nen Shopify-Shop erstellen oder CSS!“

Richtig. Ein E-Commerce-Manager (IHK) lernt nicht, wie man einen Shop baut. Schon gar nicht, mit einem konkreten Tool oder einer speziellen Software. Sie lernen auch nicht zu programmieren. Aber sorry, das ist auch nicht die Aufgabe von jemandem, der „Manager“ sein will. Ein Manager trifft Entscheidungen. Am Besten auf Basis von strategischem Wissen und Fakten. Was ist denn, wenn Shopify gar nicht das richtige System für das eigene Vorhaben ist? Was ist, wenn (und das ist meistens der Fall) die Teilnehmer in ihrem Job gar keine Shops bauen müssen, weil sie in einem Unternehmen arbeiten, in dem ein Shop existiert, mit dem sie arbeiten müssen

E-Commerce professionalisiert sich.
Strategie und Planung sind wichtiger als Trends & neuste Tools.

Falsche Erwartungshaltung an den E-Commerce als Arbeitsumfeld

Die Beispiele oben zeigen, dass viele eine sehr falsche Vorstellung davon haben, was „E-Commerce“ eigentlich bedeutet. E-Commerce ist Teil des E-Business. Und findet damit vor allen Dingen auf strategischer Ebene statt.

Das wird auch deutlich, wenn man sich den Rahmenlehrplan der E-Commerce Fachwirte anschaut.

Die vier Handlungsfelder sind:

  • Entwickeln von Strategien für den E-Commerce
  • Gestalten von Prozessen im E-Commerce
  • Analysieren und Weiterentwickeln von Prozessen im E-Commerce
  • Sicherstellen der Kommunikation und Zusammenarbeit mit, sowie das Führen von internen und externen Partnern

Den letzten Punkt, der viel Personal- und Ausbildungsthemen beinhaltet, mal außen vor gelassen und nur die ersten drei, die E-Commerce-spezifischen Themen, betrachtet, fällt auf: Da steht nichts von „Wie baue ich einen Onlineshop?“.

Viel eher geht es darum, ein Online-Business aufzubauen. Von Grund auf. Es geht darum, ein Geschäftsmodell zu entwickeln, das funktioniert oder eben in bestehenden Unternehmen Prozesse zu implementieren oder zu optimieren.

Falsche Erwartungshaltung an den E-Commerce als Arbeitsumfeld

Ja – zugegeben: Amazon Conversion Specialist oder Web Analystics Manager oder Head of Customer Centricity klingen wirklich cooler, als „Geprüfter Fachwirt im E-Commerce“ oder „E-Commerce Kauffrau“.

Aber, an dieser Stelle bewusst provozierend:

Jemand, der Conversion Optimierung auf einer Plattform oder Datenanalyse betreibt, könnte seinen Job nicht machen, wenn vorher nicht jemand betriebswirtschaft durchkalkuliert hätte, welche Plattformen sinnvoll sind und festgelegt hätte, welche Kennzahlen für das eigen Geschäftsmodell und die eigenen Unternehmensziele überhaupt gebraucht werden.

Daher: Ja, E-Commerce ist unsexy.

Aber die strategische Ausrichtung der Aus- und Fortbildungen ist wichtig. Ja, E-Commerce ist unsexy und „schnell und hektisch reich“ funktioniert nicht. Aber für die große Menge an Unternehmen, die online Geschäfte abwickeln, ist bodenständig eben der Schlüssel zum Erfolg.

Worauf es wirklich ankommt

Strategie, betriebswirtschaftliches Wissem, Marketing Know-how und mehr. Darüber möchte ich euch in den nächsten Monaten etwas erzählen.

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